Donnerstag, Juni 29, 2006

So recht rechts....

An alle Vollidioten mit rasiertem Kopf die sich für „deutsche Herrenmenschen“ halten:

Liebe „doitsche“ Vollidioten,

man kann Euch leider auf unseren Straßen treffen und leider leider auch auf schwulen Internetseiten begegnen. Ihr trag die Haare ordentlich kurz geschoren, dazu fesche Hemden von Londsdale, Jeans und Kampfstiefel. Nur leider, liebes Idiotenpack, ist das alles total undeutsch.

Ich mag Euch ja nicht den Spaß am Leben verderben*, aber ich habe einfach mal ein paar kleine Fehler aufgezählt die Ihr macht:

1. Die Jeans

Ich gebe zu, daß Jeans ausgesprochen fesch aussehen, besonders wenn es Levi’s 501 sind. Die lassen auch den fettesten Arsch noch sportlich aussehen. Das macht einfach ein brutal männliches Aussehen.

Leider, liebe Dummglatzen, wurde die Jeans im Jahre 1870 von zwei Herren namens Levi Strauss und Jacob Davis erfunden. Das sind doch reichlich jüdische Namen, oder? Zumindest Herr Strauss war übrigens auch nachweislich Jude.

Da trag ihr doch tatsächlich verjudete Hosen. Zu dumm aber auch!

2. Der Skinhead

Ein richtiger Rechter trägt gerne mal einen feschen Kurzhaarschnitt und nennt sich „Skinhead“. Dieser Begriff bedeutet zu Deutsch „Hautkopf“ und kommt aus dem Englischen. Leider setzen sehr viele Leute „Skinhead“ mit Nazi gleich, was schlichtweg Unfug ist.

Die Skinheads sind eine Ende der 1960er entstandene englische Jugendbewegung. Die ersten Skins waren aus der verarmten englischen Unterschicht und junge jamaikanische Einwanderer. Das bedeutet, das einige der ersten Skins so richtig schwarze Haut hatten.

Außerdem hörten die richtigen Skins nicht „Störkraft“ oder „Blöde Onkelz“ sondern Ska. Ska ist eine jamaikanische Form des Jazz, also richtig undeutsche Negermusik.

Da benennt Ihr Euch tatsächlich nach einer durchrassten Jugendbewegung die gerne Negermusik hört. Zu dumm aber auch!

3. Fred Perry

An der stolz geschwellten germanischen Brust macht sich ein Fred-Perry-Hemd immer gut. Der Lorbeerkranz wirkt aber auch so schick.

Leider sind die Hemden nach einem Herrn Perry benannt, der sie aus einem richtig undeutschen Grund einführte.

Herr Perry, ein legendärer Tennisspieler, störte sich daran, daß seine Kollegen 1947 in Wimbledon Armeehemden beim Spiel trugen. Also ließt er weiße Polohemden verteilen um die militaristischen Kleidungsstücke zu verdrängen.

Irgendwann kam ihm dann die tolle Idee mit dem Lorbeerkranz als Logo. Den Kranz hatte er beim All England Cup gewonnen und er passte einfach toll als Markenzeichen.

Ihr tragt also ein antimilitaristisches Hemd. Zu dumm aber auch!

4. Bier

Vor dem Negerklatschen erfrischt ein Pils die germanische Kehle und macht Mut ein paar Kaffer zu vertrimmen. Leider ist auch das Pils total undeutsch, schließlich ist es nach der Stadt Pilsen in der Tschechei benannt.

Ihr trinkt also ein undeutsches Getränk. Zu dumm aber auch.


Zusammenfassend:

Also wenn ihr richtig deutsch sein wollt, dann zieht Euch aus, lasst euch die Haare wachsen und trinkt kein Bier. Ihr seht dann zwar aus wie ein paar verfluchte Hippies, aber seit dabei so richtig deutsch.

Lieben Gruß

Daniel

* Nur ein Witz. Natürlich will Ich Euch den Spaß am Leben verderben.

Montag, Juni 12, 2006

Erniedrigung mein Mann geil

Es ist interessant zu wissen, durch welche Suchbegriffe diese Seite gefunden wird. Leider ist es gleichzeitig auch ziemlich ernüchternd. Anscheinend ist der durchschnittliche Internutzer eine ziemliche Pottsau. Das legt zumindest die Liste der Top-40 Suchbegriffe in meinem Blog-Counter nahe:


Sreenshot meines Counters. Das stand da tatsächlich!

Donnerstag, Juni 08, 2006

Shopping-Sherpa - oder: Mein Leiden bei H&M

Ich habe keine Ahnung, warum ich mich auf diese Expedition eingelassen habe. Das ist ja das reinste Himmelfahrtskommando. Meine Arme zittern unter der Last meines Gepäcks und ich bin durstig, hungrig und müde. Ich erklimme also die letzten Stufen der ewigen Treppe, die vom Erdgeschoß mit „Damenoberbekleidung, Damenwäsche, Damenschuhe“ in den ersten Stock zu „Herrenoberbekleidung, Herrenwäsche, Trendmoden“ führt.

Mein Shopping-Sherpa Beate ist schon am Gipfel und zickt herum. „Nun laß dich nicht so hängen,“ kommandiert sie die Treppe herab „wir haben schließlich nicht ewig Zeit. Wir wollen noch zu H&M, Kaufhof, diesen kleinen Shop in der Goethestraße und Schuhe brauchst Du auch noch.“

Wenn ich Beate kommandieren höre, überlege ich mir, ob Frauen bei der Bundeswehr wirklich eine gute Idee sind. Frauen wie Beate kennen keine Gnade.

Ich habe Beate eigentlich nur mitgenommen, weil ich persönlich keinen Geschmack habe und sie meine Versicherung ist, daß ich nicht wieder mit einer totalen Geschmacklosigkeit heimkomme. Ich habe so einen Hang das erste zu kaufen was mir halbwegs gefällt. Und nun hetze ich seit zehn durch die Geschäfte der Stadt.

Ich schaue mich um und entdecke Beate, die sich mittlerweile in das dichten Dickicht der Dekoration duckt. Eine gute Viertelstunde später bricht sie aus dem Unterholz der Warenauslage, nimmt mir die Taschen ab und wirft mir 15 Hemden über den Arm. „Anprobieren!“ blafft sie. Gesenkten Hauptes schlurfe ich zu den Kabinen und fange an mich umzuziehen.

Mit dem ersten Hemd trete ich vor den Vorhang und präsentiere mich. Das Hemd ist gut, finde ich. Aber Beate legt den Kopf schief und mustert mich mißfällig. Gespannt warte ich, was das Outfit-Orakel sagt. „Dreh dich mal,“ schnarrt sie. Ich drehe mich ergeben. Sie legt den Kopf auf die andere Seite, kräuselt Stirn und Nase und schiebt die Unterlippe vor. „Nein,“ urteilt meine Bekannte, „das sieht zu... schwul aus.“

Ich schleiche mich wieder in die Umkleide. In dem nächsten Teil wirke ich zu dick, meint Beate. Das dritte Stück läßt mich „wie eine alte Schwuchtel“ aussehen und das vierte paßt nicht zu meinen Augen. Bei Nummer fünf gefällt Beate das Hemd, aber mir gefällt der Preis nicht. Nummer sechs, sieben und acht kommen in die engere Auswahl. Das neunte bis fünfzehnte Hemd erhalten miserable Noten und werden wieder zurück auf die Ständer gebracht. Mit drei Hemden hetze ich hinter Beate zur Kasse.

An der Kasse schaut Beate triumphieren auf die Hemden und ich blicke wehmütig einem schönen Bündel Scheine nach. Dafür hätte ich mich eine Woche lang jeden Abend bis zur Besinnungslosigkeit besaufen können, und zwar mit dem edelsten Fusel. Aber Beate kennt, wie ich schon sagte, keine Gnade.

Ich winsele und bettele nach einer Pause. Beate hat ein Einsehen und so schlagen wir unser Basislager im Burger-King auf. Während ich langsam an einem Hühner-Burger nuckele, erklärt mir Beate die Marschroute. Bei dem Gedanken an die kommenden Strapazen schmerzen mir Rücken, Füße und Portemonnaie.

Ich habe nicht einmal Zeit für eine gemütliche Kippe nach dem Essen. Beate mahnt zu Eile. Im H&M huschen wie in einem halsbrecherischen Tempo durch die Schluchten zwischen den monumentalen Bergen modischer Kleidung. Beate kann sich prima mit dem Eingeborenen, also dem Verkäufer, verständigen.

Die beiden sind sofort ein Herz und eine Seele und mustern mich. „Hör mal, der hat aber schöne starke Schultern,“ näselt der Verkäufer zu meiner Bekannten. Die nickt. Einsam und verloren stehe ich auf dem Gang und sehe Beate und den Verkäufer zwischen die Regale verschwinde.

Es dauert einige Minuten. Ich überlege inzwischen, ob ich nicht zur Auskunft gehen und mich ausrufen lassen sollte. „Der kleine Daniel hat seine beste Freundin verloren und kann an der Information abgeholt werden.“ Ich drehe mich um, um draußen ein wenig Luft zu schnappen und pralle genau in den Verkäufer und Beate. „Na na na, wohin den so eilig?“ säuselt Herr H&M durch die Nase.

Vier Hände schieben mich zu den Umkleidekabinen und das alte Spiel beginnt. Nur diesmal besteht die Jury aus zwei Personen. Beate und der Verkäufer dressieren mich wie ein Zirkuspferd. Auf Zuruf muss ich mich drehen, die Arme heben oder einen Knopf auf oder zu machen. Dann wird an mir herum gezogen und gezupft.

Unmengen Hosen, Hemden und Shirts sammeln meine zwei Peiniger, während ich mich laufend umziehe. Im Kopf rechne ich schnell aus, daß ich heute mehr verschiedene Kleidungsstücke getragen habe, als in meinem ganzen bisherigen Leben. Fast eine Stunde wechsele ich Oberteile und Hosen, knöpfe, präsentiere, hebe die Arme und gehe einige Schritte zur Probe. Anscheinend haben sich zwei gegen mich verschworen. Wessen Freundin ist Beate eigentlich? Meine oder die des näselnden Fachverkäufers?

Sogar die Werbeplakate lachen mich schon aus...

Als ich von meinen Qualen erlöst werde, und zur Buße zwei Hosen, ein T-Shirt und ein seltsames Hemd kaufen muss, verabschieden sich die beiden. „Tschüs Beate,“ näselt der Hemden-Heini. Beate winkt und quiekt: „Tschüs Kurt!“ Die kennen sich ja inzwischen schon namentlich! Ich bin wirklich das Opfer einer unheiligen Allianz geworden.

Zwei Straßen weiter wird mir Gottes Gnade zuteil. Es fängt an zu regnen. Glücklicherweise hat Beate eine sehr diffizile Frisur, die unter keinen Umständen Wasser verträgt. Kurz vor dem Gipfel des Kaufrausches muss also unsere Expedition abgebrochen werden und wir biwakieren in einem Café.

Zwischen Milchkaffee und Apfelkuchen packen wir die Ausbeute unserer Tour aus. Wirklich sehr schöne Sachen. Die Hemden lassen mich schlanker aussehen und mit diesen Farben wirke ich plötzlich nicht mehr so blaß. „Na, Schatz, zufrieden?“ fragt Beate. Und ich kann nur ganz ehrlich sagen „Sicher Beate, sieht toll aus.“

Beate schaut zufrieden aus und fragt: „Dann gehen wir nächsten Samstag noch Schuhe suchen, oder?“ Ich werde aschfahl und stammele „Ne, Beate das geht nicht, da hat meine Tante Geburtstag.“

Mittwoch, Juni 07, 2006

Lattenkracher

Klaus und ich stehen in der Gemüseabteilung des Supermarkt und glotzen ungläubig auf einen Stapel Melonen. Auf jeder klebt ein kleiner Zettel auf dem zu lesen steht: „Die Melone ist rund!“ Und irgendwer hat sich die Mühe gemacht auf jede Melone eine Schirmmütze mit dem Aufdruck FIFA-WM 2006 (TM) zu ziehen.

„Das,“ erklärt uns die freundliche Verkäuferin, „ist unser Melonen-Special zur WM!“ Klaus und ich staunen ungläubig. Sogar in die Radieschen hat irgendwer ein Fußballmuster geschnitzt. Auf den Äpfeln klebt ein kleiner Fußball und das Stangenweißbrot heißt zur WM jetzt „Lattenkracher“.

„Ich finde,“ meint Klaus schmunzelnd, „Lattenkracher klingt wie der Titel von einem Schwulenporno.“ Ich ziehe die Augenbrauen hoch und frage: „Seit wann kennst du dich denn mit Schwulenpornos aus?“

Wir trödeln weiter durch den Supermarkt. Mit dem Joghurt kann man Eintrittskarten zur FIFA-WM 2006 (TM) gewinnen, die Milch ist „die Milch für Champions“ und sogar Butter gibt es in kleinen fußballförmigen Häppchen zu kaufen.

Die Feuerzeuge haben sich schwarz-rot-gold verkleidet und vom Bierkasten strahl uns der „Nur-ein-Rudi-Völler“ an.

Klaus wird langsam nervös und flüstert mir zu: „Gibt es denn nichts mehr zu kaufen wo nicht mindestens ein Fußballmuster drauf ist?" Ich sehe mich um und kann partout nichts finden. Wir stöbern also durch die Regale.



Die Nuss-Nougat-Creme klebt in kugelruden Töpfchen mit klassischem Fußballoutfit. Die Erdnüsse versprechen Stärkung bei Fußballübertragungen.

Und was sich nicht in Nationalfarben gewandet oder als Fußball tarnt hat einen bekifft grinsenden GOLEO IV aufgedruckt. GOLEO IV ist diese irre Kreutzung aus einem Lama und Samson von der Sesamstraße.

Plötzlich höre ich einen gellenden Freudenschrei von Klaus aus der Regalreihe neben mir. Er kniet da auf dem Boden und hält ein kleines flaches Päckchen mit beiden Händen, so als wäre es ein zerbrechlicher Schatz.

„Guck mal,“ stammelt er und hält mir die Plastikverpackung entgegen, „Nagelscheren! Und da ist nichts von der WM drauf.“

Eine Minute später stehen wir beide nur mit einem Päckchen Nagelscheren an der Kasse. Wir sind froh und glücklich. Champions-Milch und Lattenkracher-Brot haben wir ganz vergessen.

Montag, Juni 05, 2006

Die FIFA-WM 2006 (TM) - Die ganze Wahrheit eine Woche im Voraus!

Die FIFA-WM 2006 (TM) naht, aber Karten sind für Normalsterbliche nicht zu haben und wer will schon bei Sommerwetter vor dem Fernseher sitzen? Sparen sich die Mühe. Hier ist schon heute die Rückschau auf die Weltmeisterschaft 2006 (TM):


Die Vorrunde

Das Eröffnungsspiel der Fifa-WM 2006 (TM) wurde zu einem gloriosen Siegeszug der deutschen Nationalmannschaft.

Costa Rica konnte zunächst mit zwei Toren in Führung gehen und in der Halbzeitpause forderte Kaiser Franz schon: „Bringt mir den Kopf von Jürgen Klinsmann!“ Präsident Meyer-Vorfelder lallte irgendetwas von „sofort rausschmeißen“ und „Klinsmann bleibt bis 2010“ in die Kameras.

Doch in der zweiten Halbzeit sahen die Schiedsrichter gleich zwei Fouls an deutschen Spielern, oder meinten diese zu sehen. So gab es für die Mannen des DFB gleich einen Elfmeter und einen Strafstoß, die Schweinsteiger zwei mal sicher verwandelte. Die deutsche „Glanzleistung“ (wie die „BILD“ das Spiel nannte) krönte Per Mertesacker in der zweiten Minute der Nachspielzeit mit einem Kopfballtor zum 3:2.

Das zweite Spiel gegen Polen wurde zu einer Abwehrschlacht, die noch radikaler war als sich manche das bis dahin vorstellen konnten. Polen ging zwar gänzlich glanzlos mit 0:4 unter, benutzte aber die Spielzeit um die „Vaterlandsverräter“ Podolski und Klose kaputt zu treten.

Aus Protest unterschrieb Frau Bundeskanzler noch am selben Abend eine Stiftungsurkunde für ein „Zentrum gegen Vertreibung“. Der Bund der Heimatvertriebenen trat noch am selben Abend geschlossen dem DFB bei.

Zu dem Sieg der deutschen Elf trug auch bei, dass mehrere Spieler der Polen längere Zeit das Feld verließen um vermeintlich homosexuelle Personen auf den Zuschauerrängen mit ihren Stollenschuhen krankenhausreif zu treten.

Ecuador hatte den ersatzgeschwächten Deutschen im dritten Spiel der Vorrunde einiges voraus. Unter anderem konnten die Südamerikaner eine vollständige Mannschaft aufstellen. Das Unentschieden wurde von Günter Netzer als „durchaus angemessen“ bewertet.


Kopfball

Das Achtelfinale

Eine Investition von gerade einmal fünfhundert Euro und ein Anruf beim „Getränkemarkt Panzer“ in München durch den damaligen deutschen Bundestrainer Jürgen Klinsmann sicherten im Achtelfinale seiner Mannschaft den Sieg gegen die haushoch favorisierten Engländer.

Am Tag des Eröffnungsspiels hatte Klinsmann den „Inselaffen“ vorgehalten, bei der „Schande von Wembley“ die Deutschen betrogen zu haben. Am Vortag des Achtelfinales entschuldigte er sich dann taktisch klug mit einigen Fässern deutschen Biers.

Die unglaublich verkaterte Truppe ihrer Majestät um den immer noch nicht fahrtüchtigen Beckham und den bedenklich schwankenden Rooney baten während des Spiels die Fans mehrmals vergeblich nicht so laut zu singen. Deutschland siegt 2:1.

Meyer-Vorfelder drohte Klinsmann im Anschluss an das Spiel mit Rausschmiss, weil er nicht verstehen könne, warum die Engländer etwas zu trinken bekommen hätten, er aber habe dursten müsse.

Klinsmanns Teamgeist

Das Viertelfinale

Trotz knochentrockenen Wetters fand am 04. Juli 2006 in Dortmund eine Art Regenspiel statt. Der schwere und von niederländischer Spucke durchweichte Boden machte den Spielern zu schaffen.

Die langsameren Deutschen hatten durch die „komplexen Bodenverhältnisse“, wie Günter Netzer das in der Halbzeitpause nannte, einen entscheidenden Vorteil.

Zu dem 10:0 für Deutschland hatte auch beigetragen, daß mehrere Spieler der Niederlande durch das andauernde Spucken so dehydriert waren, daß schon in der sechzigsten Minute von Laufarbeit auf ihrer Seite nicht mehr die Rede sein kann.

Gerhard Meyer-Hinterfelder lallte auf der Pressekonferenz, er habe Klinsmann vor drei Jahren rausgeschmissen, dieser müsse aber bis zum Jahre 6016 noch Bundeskaiser bleiben und er selbst werde Kanzler aller Deutschen.

Theo Zwanziger forderte anschließend ein Verbot von Alkoholikern und Alkohol in den Stadien.

Erhard Feier-Vormelder

Das Halbfinale

Das Spiel gegen die Italien bot ein ungewohntes Bild. Die deutschen Spieler wirkten, verglichen mit ihren Gegnern, wieselflink. Hauptsächlich lag das daran, dass die italienischen Spieler durch schwere schwarze Aktenkoffer mit kleinen und nicht durchgängig numerierten Geldscheinen behindert wurden.

Der Buchhalter des DFB buchte am folgenden Tag unter „Werbungskosten“ einen siebenstelligen Betrag ein.

Jens Lehmann geriet in die Kritik weil er während des Spiels mehrfach hinter sich griff, um aus sich aus reiner Langeweile am Hintern zu kratzen.

Nach dem 21:0 verwüstete ein Mob wütender Tifosi italienische Großstädte. Die halbe Halbinsel sah aus wie nach einem Atombombenangriff.

Nach dem Spiel meinten Journalisten aus den verzerrten Geräuschen die Prof. Dr. Dr. Dr. hc. Meyer-Hinterwäldler von sich gab entnehmen zu können, dass dieser nun selbst Bundestrainer werden wollte und sich selbst rausschmeiße.

Wenige Stunden später brachten Polizisten einen stark alkoholisierten Mann in die Ausnüchterungszelle. Dieser behauptete er sei Präsident des deutschen Weltfußballverbands.

Nach dem Tagebuch der Polizei wurde der Ruhestörer aufgegriffen als er, nur mit einer Pappkrone von Burgerking bekleidet, auf der Spitze der CDU-Zentrale in Berlin stand und andauernd brüllte: „Ich bin der König der Welt! Ich bin der König der Welt!“

Am nächsten Morgen wurde der Betrunkene von einem Herrn Theo Zwanziger abgeholt.

Das Finale

Bild nannte den Auftritt der deutschen Nationalmannschaft gegen Brasilien eine „gute Leistung unserer Jungs“. Immerhin, so argumentierte das Blatt, hätten die deutsche Mannschaft bei dem 0:45 auch einige Ballkontakte gehabt und Jens Lehmann sei mehrfach fast mit den Fingerspitzen an das Rund gekommen.

Dabei sah es für die Klinsmann-Elf vor dem Spiel eigentlich sehr gut aus. Brasilien war, nachdem die Nationalmannschaft am Vorabend versuchte einen Bummel durch Ostberlin zu machen, gezwungen gewesen 22 Spieler nach zu nominieren.

Die zufällig anwesenden brasilianischen Balljungen ersetzten die Spieler, die partout nicht auf die Warnung von Uwe-Karsten Heye hören wollten und bei Dunkelheit den Osten betraten.

Mit einem Altersdruchschnitt von 12 Jahren war die brasilianische Elf die jüngste Mannschaft die je Weltmeister wurde.

Nach dem Spiel warf Jürgen Klinsmann sich selbst raus. Gerhard Seyer-Oberfeldwebel erklärte keine Minute später erst sich selbst, dann Günther Netzer und, als dieser ablehnte, schließlich Lothar Matthäus zum Bundestrainer.

Der gelernte Raumausstatter Matthäus ersetzte umgehend die gesamte Nationalmannschaft durch das Team von Bayern-München.

Am folgenden Tag wurden in 23 deutschen Städten Fanclubs der holländischen Nationalmannschaft gegründet. Der Verkauft an orangenen Trikots stieg sprunghaft an.

Dienstag, April 11, 2006

Die Gesichter des Papstes

Der Fernsehsender MTV hat eine neue Serie angekündigt - den Zeichentrick "Popetown". Angeblich sieht man in der Sendung einen debilen Papst und einen verbrecherischen Kardinal. Schon jetzt laufen Katholiken Sturm gegen die Ausstrahlung. Da war es einmal wieder Zeit für einen ganz humorlosen Kommentar:

Die Geschichte, wissen Pessimisten, wiederholt sich ständig. Manchmal tut sie das unglaublich schnell: Die Höhepunkte des Karikaturenstreits um die Abbildungen beleidigender Darstellungen des Propheten Mohammed ist noch keine zwei Monate her, da scheint sich das ganze Spiel zu wiederholen.


Die Gesichter des Papstes - Bild aus der Fernsehserie "Popetown"

Diesmal heißt der Verunglimpfte nicht Mohammed, sondern „der Papst“ und es sind keine Karikaturen, sondern eine Fernsehserie die den Streit auslöst. Diese Unterschiede sind verschwindend gering. Der einzig wirkliche Unterschied ist, dass "Popetown" noch nicht ausgestrahlt wurde, als brave Katholiken schon Sturm liefen.

So kann man wenig sagen, wie berechtigt der Protest der Gläubigen ist, schließlich ist der Stein des Anstoßes noch nicht einmal richtig bekannt. Angeblich handelt die Serie von einem debilen Papst und einem verbrecherischen Kardinal der Waisenkinder in die Sklaverei verkauft. Auf den Werbeanzeigen für die Serie ist ein lachender Jesus zu sehen, der dem Kreuz entstiegen in einem Fersehsessel sitzt.

Natürlich ist das geschmacklos und bösartig und natürlich beleidigt es die Gefühle vieler guter Katholiken und Katholikinnen ebenso, wie die Darstellungen des Propheten Mohammed mit Bombe im Turban gute Moslime beleidigt.

Nur mußten sich auch solche Moslime die keinen Terror befürworten vorhalten lassen, Feinde der Pressefreiheit, Demokratie und aller „freiheitlichen westliche Werte“ zu sein, wenn sie anmerkten, daß die Karikaturen ihren Glauben beleidigten. Der Streit wurde zu einem Konflikt zwischen „demokratischen Westen“ und dem „unfreien Islam“ hochgespielt.

Wo bleiben jetzt die Stimmen, die Katholiken ein grundlegendes Problem mit unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung unterstellen? Welcher Politiker wird sich jetzt trauen einen Gesinnungstest für Christen zu fordern?

Um diese rhetorische Frage gleich selbst zu beantworten: Niemand, dem an seinem politischen Überleben gelegen ist wird das tun. Katholiken sind mit 31,7 % eine zu große Wählerschicht mit der man es sich nicht verscherzen darf. Moslime hingegen stellen in diesem Land nur 4 %, wobei ein nicht geringer Teil keine Staatsbürger, also nicht wahlberechtigt, sind.

Da entsteht der unangenehme Eindruck, als dürfe man hierzulande mit Minderheiten tun, was sich größere Gruppen nicht gefallen lassen müssen und es bleibt der fade Nachgeschmack der Heuchelei an allen Bekenntnissen zur „westlichen Freiheit“ haften.

Ein guter Anlaß zu fragen, ob hier, wie es die Verfassung zu Recht fordert, Gleiches gleich behandelt wird.

Montag, August 22, 2005

Angela Merkel rollt den Stein

Als die Rolling Stones ein Lied an „Angie“ sangen, saß Angela Dorothea Kasner noch in der SbZ (DDR) und war Mitglied der FDJ. Heute kennt man sie als Angela Merkel und will Kanzlerin statt des Kanzlers werden. Ihr Partei, die CDU, läßt das Lied der Stones bei ihren Wahlkampfauftritten spielen.

Nur leider waren die Rollenden Steine nicht so begeistert von der Idee. Dabei passt das Lied so gut zu Angela Merkel. Man lese nur erst einmal den englischen Text:

Rolling Stones - Angie

Angie, angie, when will those clouds all disappear?
Angie, angie, where will it lead us from here?
With no loving in our souls and no money in our coats
You can?t say we?re satisfied
But angie, angie, you can?t say we never tried
Angie, you?re beautiful, but ain?t it time we said good-bye?
Angie, I still love you, remember all those nights we cried?
All the dreams we held so close seemed to all go up in smoke
Let me whisper in your ear:
Angie, angie, where will it lead us from here?

Oh, angie, don?t you weep, all your kisses still taste sweet
I hate that sadness in your eyes
But angie, angie, ain?t it time we said good-bye?
With no loving in our souls and no money in our coats
You can?t say we?re satisfied
But angie, I still love you, baby
Ev?rywhere I look I see your eyes
There ain?t a woman that comes close to you
Come on baby, dry your eyes
But angie, angie, ain?t it good to be alive?
Angie, angie, they can?t say we never tried



Hier die deutsche Fassung:

Rolling Stones – Angie

Angie, Angie, wann gehen die Wolken alle weg?
Angie, Angie, wo führt uns das hier noch hin?
Ohne Liebe in unseren Herzen und ohne Geld in den Taschen
Du kannst nicht sagen, wir wären zufrieden.
Aber Angie, Angie, Du kannst nicht sagen, wir hätten es nicht versucht.
Angie, Du bist schön. Aber ist es nicht Zeit auf Wiedersehen zu sagen?
All die Träume die wir hatten schienen in Rauch aufzugehen.
Lass mich mich in Dein Ohr flüstern:
Angie, Angie, wo führt uns das hier noch hin?

Oh Angie weine nicht! Deine Küsse sind so süß.
Ich hasse die Trauer in Deinen Augen.
Aber Angie, Angie, ist es nicht Zeit auf Wiedersehen zu sagen?
Ohne Liebe in unseren Herzen und ohne Geld in unseren Taschen
Du kannst nicht sagen, wir wären zufrieden.
Aber Angie, Ich liebe Dich noch, Baby!
Wo ich hinschaue sehe ich Deine Augen.
Keine Frau kommt Dir gleich.
Aber Angie, Angie, ist es nicht gut am Leben zu sein?
Angie, Angie, man kann nicht sagen, wir hätten es nicht versucht.



Und zuletzt meine Version für die gute Frau Angela Dorothea Merkel . Zu singen auf mit neuem Text auf die alte Melodie:

Schreibergarten – Angela

Angela, Angela, wann gehen die Wolken alle weg?
Angela, Angela, wo führt uns das hier noch hin?
Ohne Liebe in Deinem Herzen und ohne Geld Taschen
Du guckst nicht, als wärst Du zufrieden.
Aber Angela, Angela, Du hast es wenigstens mal versucht.
Angela, Du bist ******. Aber ist es nicht Zeit Wiedersehen zu sagen?
All Deine Träume sind brandgefährlich,
und ich sage es mal ehrlich:
Angela, Angela, wo führst Du uns noch hin?

Oh, Angela weine nicht mit Deinem Tränensackgesicht.
Ich hasse die Ringe um Deine Augen.
Und Angela, Angela, ist es nicht Zeit auf Wiedersehen zu sagen?
Ohne Liebe in Deinem Herzen und ohne Geld Taschen
Ich bin mit Dir nicht zufrieden.
Aber Angela, die Junge Union liebt Dich, Baby!
Wo ich hinschaue sehe ich Deine Augen.
An jeder Ecke ein Plakat.
Aber Angela, Angela, bist Du etwa auch eine Frustrierte?
Angela, Angela, Du hast es wenigstens versucht.


Leider wird das wahrscheinlich der Sommerhit 2005.

Donnerstag, August 18, 2005

Welttugendtag

Er sieht von dem Plakat auf mich herab. Er ist so jung, dass er mein Sohn sein könnte. Aber in dem Gesicht steht mehr Elend als ich in meinem Leben gesehen habe. Prall steht der Bauch vor, aufgequollen vom Hunger ist er ein einziges Ödem. Die dürren Ärmchen baumeln an der Seite. Er ist ein Abbild des Elends. Und unter seinem Bild fordert mich ein Schriftzug auf für ihn zu spenden.

Es wäre gerecht Geld für ihn zu geben. Ich habe zu viel. Mein Bauch ist nicht wegen dem Hunger dick, sondern weil ich mir mehr Kalorien in mein gefräßiges Maul schiebe als gut für mich ist. Ich gucke in die traurigen Augen.

Er hat es nicht verdient, daß ich ihm nur Almosen gebe. Es wäre ungerecht ihm ein Stück Brot zu zuwerfen. Ich darf kein Pflaster auf die Wunde kleben. Ich bin nicht nur mit schuldig an seinem Hunger, ich bin die Ursache. In Supermarkt kaufe ich Dinge die in seinem Land für einen Spottpreis hergestellt werden. Ich zahle Steuern mit denen Weizen so billig gemacht wird, daß die Bauern in seinem Land pleite gehen. Ich wählte eine Regierung die sich von der Wirtschaft erpressen läßt. Das muss ich ändern, dann hat sich das Spenden erledigt.

Ob er noch Eltern hat? Oder sind sie schon lange tot? Ausgedörrt vom Hunger oder aufgefressen von Aids? Am Weltaidstag werfe ich einen Euro in eine Dose und trage eine rote Schleife. In seinem Land verrecken jeden Tag Menschen elendig. In meinem Land stecken sich Menschen absichtlich mit Aids an, weil sie ihr sattes zufriedenes und ödes Leben nicht mehr ertragen.

Und unter seinem Gesicht ist das Logo eines Vereines der mit an seinem Leiden schuld ist. Sie haben ein altes Folterinstrument als Zeichen. Sie schmücken sich mit dem Instrument an dem einer starb, der sich für die Armen und Ausgestoßenen stark machte. Sie machen den Menschen weis, es müsste noch mehr Menschen geben. Hunger und Elend herrschen, das Wasser wird knapp und die Umwelt erträgt die vielen hungrigen Mäuler nicht mehr. Aber wir mehren uns und machen uns die Erde Untertan.

Die alten Männer in den langen Röcken erzählen den Menschen, dass es Sünde sei ein Kondom zu benutzen. Das Abbild des Elends auf dem Plakat sagt mir etwas anderes. Sünde ist es zuzusehen, wie täglich Tausende am Hunger krepieren, durch Aids zu wandelnde Leichen werden oder verdursten. Sünde ist es die Gnade Gottes zu feiern und selbst keine zu kennen.

Die Sünde, sagt der hoffnungslose Blick vom Plakat, ist die Selbstsucht. Sünde ist es, wenn man die Liebe zum nächsten von unsinnigen Regeln abhängig macht. Sünde ist, wenn man untätig bleibt während andere sterben. Sünde ist es, wenn man sein Gewissen mit einem Ablaß an mildtätige Vereine rein wäscht. Überall sterben Menschen an Hunger und in Köln wird viel Geld verschwendet um einen riesen Haufen Erde für Gottes angeblichen Stellvertreter aufzuschütten. Gottes ausgehungertes Ebenbild schaut von dem Plakat auf mich herab und ich kann es nicht fassen.

Täglich wird gestorben. Täglich wird gelitten. Aber in Köln wird die Gnade Gottes gefeiert. Und ein alter Mann zieht durch die Stadt der uns auffordert keine Kondome zu benutzen. Mehr Menschen, mehr Hunger, mehr Aids! Mehr Seelen die in den Himmel kommen werden, weil sie keine Zeit hatten zu sündigen.

Mittwoch, August 17, 2005

Kleider machen Leute geil

Zurück in das wahre Leben. Ich habe viel zu lange im Internet gelebt. Auf die schwule Kneipe am Ende der Straße. An der Tür fühle ich mich wie vom Schlag getroffen. Ich war schon viel zu lange nicht mehr hier. Irgendwas hat sich verändert. An der Tür sitzt ein Kerl mit Spiegelglatze, engen Jeans, Springerstiefeln mit weißen Schnürsenkeln und weissen Hosenträgern über seinem Pitbull-Shirt. So stellt man sich den Stammwähler der NPD vor. Was ist passiert? Hat die kleine schwule Kneipe den Besitzer und das Publikum gewechselt?

Ich sehe genauer hin. Der Faschist hält mir einem anderen kahl rasierten Verbrecher Händchen. Ist Michael Kühnen* wieder auferstanden? Nein, jetzt wird es mir klar: Das sind Fetisch-Skins. Die beiden erregt es sexuell sich so zu Kleiden wie die Leute die am liebsten Tunten klatschen. Wann wird es endlich Mode unter Fetischisten sich so zu kleiden wie iranische Mullahs? Immerhin ermorden die auch gerne Schwule.

Meine beiden Freizeit-Faschisten haben auch ein Profil im Internet. Da geben sie kund auf „goilen versauten Sex“ und anpinkeln scharf zu sein. Gerne auch mit drittem Mann. Abgesehen davon, daß ich anpinkeln ziemlich ekelig finde, hätte ich Angst bei denen an der Bettkante einen Ariernachweis abgeben zu müssen.

Also sehe ich mich weiter in der Kneipe um, ob sich nicht doch noch was für den Abend findet. Neben den imitierten Treudeutschen sitzt ein junger Hiphopper. Der trägt ein T-Shirt mit dem Rapper Eminem. Eminem singt so gerne davon, dass er Schwulen den Schädel einschlagen will. Aber Eminem behauptet der Fetisch-Rapper sei ja „so süüüüüüüüß!“

An den Füßen hat er dicke Sneaker. Das sind diese dicken Turnschuhe die sich unter Garantie für keinen Sport der Welt eignen. Das Breitschuhwerk erregt den Hiphopper. Wenn Schuhe nach Schweiß stinken würde jeder normale Mensch sie mit Fußdeo einsprühen und auf den Balkon stellen. Der Mini-Eninem hält seine Nase rein, reibt seinen Intimbereich und denkt an minderjährige Skateboardfahrer.

Neben dem Rapper sitzt ein Mann im Tarnfleck. Er heißt Jens, hat nie gedient und mag es, wenn ihn jemand anbrüllt, sein Gesicht in Pfützen tunkt und ihn zwingt an Kampfstiefeln zu lecken. Genau diesen Dingen bin ich mit meiner Kriegsdienstverweigerung damals aus dem Weg gegangen. Aber manche Tunte scheint begeistert vom Militär zu sein. Sie spitzt der Gedanke an zum Morden ausgebildet zu werden und Mitglied einer Organisation zu sein, deren Ziel das Unterwerfen anderer Völker ist.

Kopfschüttelnd sehe ich die Fetischisten an und mache mir Gedanken was genau schief laufen muss, damit man so wird. Wie sehr muss man mit seiner sexuellen Identität im argen liegen, wenn man sie nur unter Erniedrigung, Zwang und Gewalt ausleben kann? Wie sehr muss man sich selbst hassen, wenn man Leute bewundert die einen am liebsten umbringen würden?

Geknickt verlasse ich die Kneipe und summe leise Eminem vor mich hin:

„My words are like a dagger with a jagged edge
That'll stab you in the head
whether you're a fag or lez
Or the homosex, hermaph or a trans-a-vest
Pants or dress - hate fags? The answer's ‚yes‘"**


* Michael Kühnen: Homosexueller deutscher Neofaschist, 1991 an Aids gestorben.
** Aus: Eminem – „Criminal“

Sonntag, August 14, 2005

Marlene Mirakel

Was mich heute Abend in diese Bar mit „großer Galavorstellung“ getrieben hat weiß ich nicht so genau. Ich trinke niemals Sekt und habe trotzdem ein Glas Schaumwein in der Hand. Die Besitzerin des Glases ist eben in die Toilette geeilt, um sich Busen und Frisur zu richten. Da kommt sie wieder an. Sie geht nicht, nein sie schwebt oder stolziert oder trippelt oder irgendwas dazwischen.

„Hach Schatz, du ich danke dir.“ haucht sie und legt ihren Arm uneingeladen auf meinen Hintereingang. Sie holt eine lange leichte Zigarette aus ihrer Handtasche, fummelt sie in noch längere Zigarettenspitze. Dann guckt sie mich fragend an. „Ja gibt man Damen heute nicht mehr Feuer? Wo bleiben denn da die Manieren?“ flötet sie. Ich hole artig mein Feuerzeug aus der Tasche und tue wie mir geheißen.

„Hör mal,“ jodelt die blonde Tante „aus dir machen wir noch einen richtigen Gentleman!“ Ich würde auf diese Weiterbildung gerne verzichten, traue mich aber momentan nicht zu widersprechen. Von der Bühne winkt eine fette kleine Person und meine Begleiterin winkt zurück. „Och Schatzi, ich muss zur Bühne. Mein großer Auftritt wartet. Aber ich komm gleich wieder zu dir zurück, ja?“ Ich fasse das als Drohung auf, nicke aber.

Mein Nachbar guckt mich an, und kann sich ein saudummes Grinsen nicht verkneifen. „Was war das?“ frage ich ihn. „Das da,“ sagt er und grinst in sein Bier, „das war Marlene Mirakel.“ Meine vollständige Ahnungs- und Fassungslosigkeit scheint sich in meinem Gesicht zu spiegeln, weil mein Gesprächspartner zu einer ausführlichen Erklärung ansetzt.

„Eigentlich heißt sie ja Markus und arbeitet bei der Volksbank am Schalter. Abends ist sie eben Marlene Mirakel. Wenn du die an der Backe hast, wirst du sie so schnell nicht los.“ Ich sehe die Schadenfreude deutlich in seinem Gesicht stehen, und würde ihm zu gerne meine Faust in dieses rammen.

Jetzt kommt ein Tusch aus den Boxen und Marlene Mirakel steht wie hingezaubert auf der Bühne. Tatsächlich sieht sie der Marlene Dietrich ähnlicher als Marlene Dietrich selbst. Die Lautsprecher husten heiser „Ich bin die fesche Lola“ und die Mirakel macht dazu den Mund auf und zu. Sie schwenkt die Arme, macht Gesten und ähnelt dabei irgendwie einem Albatros im Landeanflug. Und zur „feschen Lola“ schunkeln vorne fette Olgas kräftig mit.

Beim Applaus schmeißt der Marlene mit Küßchen um sich, reißt die Arme in Luft und präsentiert die perfekt rasierten Achseln.

Leider habe ich mich hingesetzt. Eine Minute später sitzen achtzig Kilo Mirakel auf meinem Bein. „Na, mein Schatz,“ haucht Frau Mirakel in ihrer marlenigsten Marlene- Stimme, "Wie war ich?" Ich lüge und sage was nettes.

Freitag, August 12, 2005

120 Kilo

Ich habe das Gefühl, die Alpen seien zu Besuch gekommen. Neben mir sitzen circa 120 Kilo Lebendgewicht die nicht besonders formschön auf etwa 190 Zentimeter verteilt sind. Die 120 Kilo rücken ein Stück näher und fragen mich: „Na, dich habe ich hier auch noch nicht gesehen.“ Ich rücke auch ein kleines Stück in die selbe Richtung und sage: „Kann dran liegen, daß ich noch nicht hier war.“

Ich riskiere einen Blick zur Seite und schätze die Masse neben mir auf etwas über 50 Jahre. Mit einer gekonnten Handbewegung wischen sich die 120 Kilo den Bierschaum aus dem Schnäutzer und fragen mich: „Bist du alleine hier?“

Ich schaue zur Seite und versuche gelangweilt zu gucken. „Jaaaa.....“ antworte ich gedehnt. Der Fleischberg im karierten Hemd bewegt sich wieder ein Stück auf mich zu. „Haste denn keinen Freund?“ Ich weiß genau was jetzt kommt und füge mich in mein Schicksal. „Nein, habe ich nicht.“

Die kleinen Schweinsäuglein die oben in den 120 Kilo stecken leuchten vor Freude auf. „Warum hat denn so ein süßer Kerl wie du keinen Freund?“

Ich könnte dem Karohemd jetzt erklären, daß die anderen genauso oberflächlich sind wie ich und mich aus den Gründen nicht wollen, aus denen ich ihn nicht will: Zu fett, zu häßlich und zu alt. Zumindest befinden sich bei mir der Großteil der Haare auf dem Kopf und nicht auf dem Rücken. Aber ich mag dem Schnauzbart nicht weh tun, noch nicht.

„Ich habe einfach noch den Richtigen gefunden.“ versuche ich zu erklären. Die 120 Kilo halten sich spontan für den Richtigen. Jetzt braucht er mir nur noch beizubringen, daß er der Richtige ist, denkt er. „Was trinkst du denn?“ fragt er. „Siehst Du doch,“ sage ich, „das hier ist ein Bier.“ Er versucht zu lächeln. „Trinkst du noch eins mit mir?“ sagt er, und wartet keine Antwort ab. Er winkt den Barkeeper her. Ich falle ihm ins Wort. „Nein, ich trinke kein Bier mit Dir. Ich kann mein Bier selber zahlen. Du bist so ziemlich der letzte Mensch von dem ich mich zu einem Bier einladen lasse!“ Das Grinsen verschwindet von den fleischigen Lippen. „Mensch, du bist aber zickig.“ grunzt er und trollt sich. Ich gucke den 120 Kilo hinterher und sie tun mir leid, alle 120.

Mittwoch, August 10, 2005

Beate besorgt einen Mann

Beate, das ist meine beste Freundin, hatte beschlossen, daß ich einen Mann brauche. „Schatz,“ hatte sie gesagt, „du bist schon viel zu lange unbemannt. Du wirst immer unausgeglichener und seltsamer. Du brauchst einfach mal wieder einen Kerl.“ Und was Beate sagt ist Gesetz. Deswegen hatte sie sich einfach Samstags selbst bei mir zum Kaffee eingeladen und eine Schwulenzeitschrift, Stift und einen Block mitgebracht. „Wir schreiben dir jetzt eine Kontaktanzeige.“ verkündete sie.

„Mensch Beate,“ nörgelte ich, „muss das denn sein?“ Beate kann ihre Augen zu ganz kleinen Schlitzen machen und den Mund so komisch kraus ziehen. „Willst Du einen Mann oder willst du keinen?“ fauchte sie. „Aber ich fühle mich so komisch dabei. Ich bin doch kein gebrauchter VW Golf, den man in der Lokalzeitung anbietet.“ Jetzt verschränkte Beate die Arme vor der Brust und keifte: „Dann bleibe doch solo, du zickiger Homo.“

Das war Beates gefährlichste Waffe: der Liebesentzug. Ich knickte auch gleich ein. „Ist ja gut, wir können ja mal aus Spaß eine schreiben. Da kommt eh nichts bei raus.“ gab ich klein bei. „Na also, warum nicht gleich so?“ triumphierte Beate. Sofort griff sie sich wieder Stift und Block und kommandierte: „Dann laß Dir mal was einfallen.“

Ich kann einfach nicht auf Befehl kreativ sein. Beate leider auch nicht. Also saßen wir beide da, tranken Kaffe und nagten an den „Vollkorn Schokoladenkeksen mit Haselnuß“ aus dem Reformhaus. Beate guckte ganz gespannt an die Zimmerdecke und schien eine Idee zu haben. Ich habe vor Beates Ideen immer ein bißchen Angst, besonders vor denen, die sie selbst gut findet. „Wie wäre es denn mit 'jung, schwul, ledig sucht'?“ schlug sie vor.

„Och nö,“ maulte ich, „daß ist doch total abgedroschen.“ Beate konterte: „Und 'Fisch sucht Fahrrad'?“ Ich krümmte mich. „Ne, Beate, das ist doch noch viel schlimmer.“ Beate knabberte an ihrem Bleistift. Dann fing sie plötzlich an zu schreiben und dabei laut zu sprechen. „Hallo Du! Ich bin ein netter, aufgeschlossener junger Mann, der einen eben solchen sucht. Meine Hobbys sind...“ Ich unterbrach sie. „Beate! Das ist ja die schrecklichste Idee, die du heute gehabt hast. Das ist doch total langweilig.“

Wieder versank meine beste Freundin in kreativer Trance. Mt glasigen Augen starrte sie das Papier an, bis sie eine neue „gute“ Idee hatte. „Hör mal zu: > Ich (28/179/76/ bin schon viel zu lange solo. Ich suche Dich (22-34) für schöne Stunden zu zweit<.“ Ich nörgelte: „Beate, das ist langweilig und klingt total verzweifelt.“ Beate grinste: „Schatz, Du bist verzweifelt, falls es Dir noch nicht aufgefallen ist. Außerdem bist Du total nörgelig.“ Mein Blutdruck stieg und ich protestierte: „Ich bin nicht nörgelig und außerdem ist es meine Anzeige. Ich werde wohl noch bestimmen dürfen, was in meiner Anzeige steht!“

Beates Grinsen wurde ein bißchen fies. „Dann schreibe ich eben selbst eine Anzeige.“ kündigte sie an. „Da kann ich dann schreiben, was ich will“ Mir wurde heiß und kalt. Beate griff sich Stift und Papier und schrieb. „Hilfe! Bester Freund zu vergeben. Mein bester schwuler Freund (28/179/76) ist schon viel zu lange solo. Langsam wird er launisch und seltsam. Er mag Theater, Fußball, Hard Rock und Bier. Bitte meldet Euch!“

Noch bevor ich protestieren konnte, griff sich Beate den Block, umarmte mich zur Verabschiedung und entschwand durch die Tür.

Und heute meinem Wohnzimmer saß mal wieder meine Kommilitonin und beste Freundin Beate bei mir und trank Kaffe. Sie hat sich, wie üblich selbst eingeladen und nur kurz telefonisch vorgewarnt, damit ich den Kaffee aufsetzen kann. Um 16 Uhr stürmte sie durch die Tür, warf sich auf Couch und präsentierte mir ein dicke Mappe. „Beate, was zum Teufel ist das? Du willst doch nicht heute Schuldrecht büffeln, oder?“ fragte ich. „Nein,“ sagte Beate mit einem triumphierenden Grinsen, „das sind deine Männer.“

Beate hatte tatsächlich einen beachtlichen Haufen Briefe dabei. Lauter Briefe wildfremder Homosexueller, die sich mit mir treffen wollten. Nachdem ich eine Zigarette brennen hatte, holte Beate den ersten Brief heraus und streckte ihn mir entgegen.

„Der da,“ erläuterte sie, „ist eigentlich ganz knuddelig.“ Ich staunte nicht schlecht. Beate hatte einen überraschend schlechten Geschmack. Ich fand ihn eher „eigentlich ganz knubbelig“. Offensichtlich war Beate Fan der Sesamstraße und wollte mir Ernies kleinen Bruder andrehen. Locker und aus dem Handgelenk warf ich den Brief in den Mülleimer. Im Sportunterricht hätte ich dafür früher eine glatte eins bekommen.

„Na gut,“ meinte Beate „dann probier mal den hier.“ Dabei hielt sie mir einen Brief mit angehefteten Photo vor die Nase. Auf dem Bild guckte mir ein seltsam ölig grinsender Mann im Anzug entgegen. Ein kurzer Blick auf den Brief bestätigte mein schnell gefaßtes Urteil. „Och komm,“ jammerte ich, „willst Du mir wirklich einen BWL-Studenten andrehen?“ Beate schaute mich überrascht an. „Aber,“ verteidigte sie sich, „er hat einen eigenen Wagen. Einen Fünfer Golf!“ Mit einem Grinsen sagte ich: „Das Auto ist ja geil, aber der Kerl ist Kacke. Hör mal: 'Neben dem Studium spiele ich Tennis, Golf und mache gerne Party.'“ Verwundert maulte Beate: „Was ist denn dagegen einzuwenden?“ Als Antwort warf ich den BWLer dem Brief von Ernies kleinem Bruder hinterher. Diesmal verfehlte ich den Papierkorb nur knapp.

Beate kramte kurz in dem Stapel Briefe und zog ein handgeschriebenen Zettel hervor. An dem Zettel klemmte ein Bild. „Hilfe!“ brüllte ich. „Das ist Messners Bild vom Yeti!“ Beate rollte mit den Augen, während der Yeti-Brief am Müllkorb abprallte und unter den Tisch fiel. „Mein Gott, bist du oberflächlich!“ moserte sie. „Ich bin nicht oberflächlich,“ verteidigte ich mich, „aber der haart doch sicher wie eine Perserkatze. Hast du gesehen, daß dem sogar aus dem Kragen Haare gucken?“

Beate spielte ihre Trumpfkarte aus. „Guck dir den mal an.“ säuselte sie. Diese Bild guckte ich mir ein wenig länger an. Ja, der sah gut aus. Dann laß ich den Brief zum Bild. „Du Beate?“ murmelte ich. „Ja?“ sagte Beate. „Beate, ich will ja nicht meckern,“ stammelte ich, „aber ich gehe einfach mal davon aus, daß du nicht weißt, was 'FF' bedeutet, oder?“ Nachdem ich Beate erklärt hatte was das ist, warf sie den Brief selbst weg. Sie zeigte sich erstaunlich talentiert und traf den Papierkorb im ersten Versuch.


Das nächste Bild war eine Überraschung. Der Brief laß sich auch gut. Am zweiten Absatz blieb ich hängen. „Äh, liebste Beate, ich bin schwul.“ Beat guckte etwas verwundert. „Ja, und? Deshalb besorge ich dir ja auch einen Mann." Ich grinste. "Aber der hier ist nur tagsüber ein Mann. Abends trägt es Kleider und nennt sich 'Marlene Mirakel'. Schatzi, ich möchte nichts was Röcke trägt." Beate schmollte.

Wortlos drückte sie mir das nächste Schreiben in die Hand. In meinem Kopf versuchte ich einen kleinen Katalog möglicher Boshaftigkeiten über den Bewerber anzulegen. Dann sah ich auf das Bild. Ich sah lange auf das Bild. Ich laß die Beschreibung seiner Hobbys und sah wieder auf das Bild. Nach einer halben stunde erwachte ich aus meiner Trance, weil Beate mich schüttelte. "Ist der gut?" fragte sie. "Beate!" flüsterte ich. "Beate, der ist perfekt!"

„Tja,“ sagte Beate, „der ist hetero und will mich kennen lernen.“ An dem Abend habe ich mich ganz schrecklich betrunken.

Dienstag, August 09, 2005

Die Welt ist nicht nur vorhanden...

Normalerweise mache ich in diesem Blog andere Menschen lächerlich. Ausnahme ist Joachim Kardinal Meisner. Der macht sich selbst zum Affen. Die Karndinals-Kanaille schwafelte mit der Online-Ausgabe des SPIEGEL fröhlich über Homosexuelle, die Schöpfungsordnung und das Fortbestehen der Menschheit. Die Redaktion des SPIEGEL war so freundlich das heilige Blubbern als Audiostream zu veröffentlichen. So kommen die vollständig unzusammenhängenden und wild abgebrochenen Sätze besser zur Geltung. Meisner ist schon lange für seine (ausch)witzigen Ausprüche berühmt.

Ungnädig wie ich bin, habe ich Wort für Wort die Ergüsse des Köllner Kirchenmannes mitgeschrieben:


Meisner:
Hier geht’s einfach auch einfach, daß die Kirche für die Schöpfungslehre einzustehen hat. Und das heißt die Schöpfungslehre ganz schlicht. Ohne jede Polemik. Gott hat den einen Menschen in zwei Grundausführungen geschaffen. Und zwar das nicht... Und das hat mir ... bis ... ne Absicht, es hat alles in der Schöpfungsordnung eine Absicht. Nämlich der Mann ist nicht auf den Mann hin geschaffen, sondern auf die Frau hin. Und die Frau nicht auf die Frau, sondern auf den Mann hin. Das die beiden sich zusammentun und, daß die aus der Ehe ne Familie machen. Damit auch die Fort... der Fortbestand der Menschheit gewährt... Das ist der Sinn des einen Menschen in zwei Grundausführungen. Punkt. Und die das Schwierigkeiten haben, den muss man helfen, menschlich mit... mit... ihren Problemen fertig zu werden.

Reporter:
Also das widerspricht den Lebenserfahrungen von Homosexuellen komplett.

Meisner:
Aber es es widerspricht nicht der Schöpfungsordnung. Und der Mensch... äh... der Mensch macht sich nicht selbst. Es mag sein, dass ihnen, dass das ihren Lebenserfahrungen widerspricht. Ich weiß es nicht. Aber ich muss, ich... ich.. stehe für die Schöpfung Gottes ein. Und ich kenne den einen oder anderen Menschen, der auch früher meinte er wäre homosexuell orientiert und hat... lebt in einer glücklichen Ehe, in einer glücklichen Familie. Wissen sie, von... in diesen Details weiß ich auch zu wenig. Das müßten dann auch Fachleute, Ärzten und Psychologen behandeln. Ich stehe hier als Bischof für die Ordnung der Schöpfung und damit auch für die Ordnung des Menschen.

Reporter:
Schöpfungsordnung klingt für mich sehr abstrakt. Und so ne Theorie ist halt sehr trocken. Wohin gegen die Lebenspraxis eines einzelnen Menschen sehr konkret ist. Und ich glaube, Jesus ging es in erster Linie darum.

Meisner:
Lesen sie mal was die Bibel über dieses Problem Homosexualität sagt. Nicht wahr...

Reporter:
Das ist an einem alten Weltbild geschult.

Meisner:
Nahaha. Von wegen. Man kann nicht alles was heute nicht in die.. in den Zeitgeist paßt von sagen das ist altes Weltbild. Das ist nicht altes Weltbild. Ich will Ihnen mal folgendes sagen: Wir Menschen heute, man könnte ja sagen, in unserer verrückten Gesellschaft... in unserer verrückten Gesellschaft kriegen wir gar nicht ein einheitliches... eine einheitliche Quelle für Recht, für... für sittliche Norm. Nun sag ich doch, dass ist die Welt. Die... die Welt ist nicht nur vorhanden, sie ist da... sie ist da. Und vom Dasein der Welt geht eine Botschaft aus... eine Botschaft aus. Und die muss der Mensch vernehmen. Und dafür hat er Vernunft bekommen. So wenn er die Botschaft der Welt vernimmt und sein Handeln danach ausrichtet, handelt er seiensgerecht, vernünftig und gut. Und wenn er als Mann und Frau geschaffen wurde ist die Botschaft des Seiens, dass die sich zusammentun. Dann handelt er seiensgerecht.

Interessant, Herr Kardinal! Die Welt ist also nicht nur vorhanden, sondern auch noch da. Ich verstehe den Unterschied zwischen "da sein" und "vorhanden sein" zwar nicht ganz, aber der gute Meisner wird sich dabei schon was gedacht haben, oder?

Interessant auch, daß der Kardinal gerne alles doppelt sagt... doppelt sagt. Doppelt genäht hält besser... hält besser.

Erstaunlich, daß Meisners Jupp nur von "zusammen tun" spricht, aber Liebe mit keinem einzigen Wort erwähnt. Weil es also Mann und Frau gibt ist die logische Konzequenz, so Meisner, daß sichz beide zusammentun. Es gibt auch dunkelhäutige und hellhäutige Menschen. Keiner käme auf die verschrobene Idee, dass deshalb immer ein dunkelhäutiger und ein hellhäutiger Mensch zusammenleben müssten.

Tatsächlich hat der Kardinal recht. Man muss über seine Einlassung nicht sagen, daß sie einem alten Weltbild entspringt, sondern auch, daß sie einfach unmenschlich ist. Sechs minus im Fach Nächstenliebe. Nachsitzen, Herr Meisner.

Dumm kickt gut

Mein Gast sah mich mitleidig an, als hätte ich gesagt, ich sei in der Hauptschule drei mal sitzen geblieben und hätte den Abschluß nicht geschafft. „Fußball?“ fragte Klaus und setzte sein ökologisch und politisch korrektes Bedenkenträger-Gesicht auf. Ich holte ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank und setzte mich auf die Couch. „Ja." sagte ich.

Seiner Mimik nach zu urteilen hatte Klaus eben spontan beschlossen, mich nicht weiterhin als gleichwertiges Gegenüber einzustufen. Seine Wertschätzung meines Intellekts war plötzlich und direkt von Achtung auf Mitleid gefallen. Er trug die Flasche fair gehandelten Öko-Wein in das Wohnzimmer und setzte sich neben mich auf die Couch. Mit großen Augen sah er zu, wie ich die Fernbedienung ergriff und anschaltete und fuhr sich nervös durch die langen Haare.

Die Vorberichte liefen noch und ich bekam abwechselnd Sachen erzählt, die ich entweder schon wußte, oder gar nicht wissen wollte. Die Frau des linken Abwehrspielers der Gastmannschaft war schwanger und befand sich eben kurz vor der Niederkunft. Das brauche ich nicht zu wissen und es interessiert mich auch einen Dreck. Dann kam die Mannschaftsaufstellung dran.

Mein Gast saß noch immer auf der Couch und putze nervös seine Nickelbrille an seinem Norwegerpulli ab. Im Fernsehen pustete der Unparteiische in seine kleinen Trillerpfeife und es wurde spannend. Natürlich mußte der liebe Kumpel genau jetzt anfangen zu reden. Reden gehört zum Fußball. Man muss im richtigen Augenblick über lang vergangene Spiele reden, die so oder so ähnlich wie das heutige waren oder die bisherigen Leistungen eines Spielers mit den jetzigen vergleichen. Bei einem Freistoß oder einem Elfmeter muß der ausführende Spieler zwingend zuvor schlecht gemacht werden.

Aber mein Gast sprach nicht über solche Details. Er sagt: „Also ich gucke ja lieber Arte.“ Ich verzichtete darauf, ihn darauf ihm zu erzählen, daß in meinem Fernseher Arte als eine der ersten Programme gespeichert ist. Ich lehnte mich zurück, nahm einen Schluck von dem Bier und sagte nur: „Ach?“

„Ja,“ setzte er nach, „da läuft heute ein sehr interessanter Bericht über eine Kommune von Kriegswitwen in Eritrea. Die bauen da als Pilotprojekt genossenschaftlich ökologisch Sesam an, den sie dann als biologisch wertvolle Sesam-Riegel fair vermarkten.“ Ich trank noch einen Schluck Bier. Die Bemerkung wo er sich seine Sesam-Riegel hin stecken könne schluckte ich mit dem Bier runter.

„Sport gucken ist doch doof.“ sagte er väterlich. „Du hast es einfach nicht verstanden.“ Maulte ich. „Was da im Fernsehen läuft ist kein simpler Sport. Nichts ist mit einem Fußballspiel zu vergleichen. Keine Übertragung vom Eisstockschießen oder Tennis ist mit Fußball zu vergleichen. Fußball ist besser als jeder Film. Es gibt Gut und Böse, Spannung, echte Männer und wahres Heldentum.“ Klaus wog den Kopf und gab zu bedenken: „Aber Du guckst doch nur zu. Wenn man einen Sport selber macht, das kann ich ja noch verstehen. Aber zugucken ist doch langweilig.“

Ich widersprach: „Ich bin nicht nur der Mann vorm Fernseher. Fußball guckt man nicht wie den Wetterbericht. Ich bin dabei. Wenn meine Mannschaft verliert, dann verliere ich. Wenn sie gewinnt, dann bin auch ich ein Gewinner. Nur hier kann man Männer weinen sehen.“

Mein Gast machte einen entscheidenden Fehler und griff zur Fernbedienung. Er meinte „Wir können ja hinterher mal umschalten und gucken wer gewonnen hat.“ Dann schaltet er zu den Sesam-Witwen um. Nicht ganz freiwillig verließ Klaus keine Minute später meine Wohnung. Wenn wir uns heute auf der Straße treffen grüßen wir uns nicht einmal mehr.

Mittwoch, August 03, 2005

Aus dem Tagebuch von Sven: Mit ohne!

Ich bin jetzt was total schickes: Ein Barebacker. Barebacker spricht man aus wie Bär-Bäcker. Das sind nämlich Leute die nicht so doof Angst vor AIDS haben. Bärbacker machen nämlich Sex mit ohne Kondomen.

Kondome sind doof und Sex mit Kondomen macht keinen Spaß. Und sterben muss schließlich jeder mal. Außerdem kann man ja auch vom Rauchen sterben oder auf der Straße überfahren werden. Und Barebacker sind auch viel mutiger als andere Leute. Barback ist so was wie Bungeespringen beim Sex,. nur ohne Gummi eben.

Gummi ist nur was für Leute die sich immer sorgen machen und so. Das ist doof, wenn man sich immer so Sorgen macht. Außerdem stirbt man an AIDS heute gar nicht mehr. Heute gibt es ja für alles Pillen, auch für AIDS. An AIDS sterben nur Leute in Afrika, weil die haben keine Pillen. Aber ich bin nicht in Afrika.

Außerdem ist das gar nicht so gefährlich. Man kann ja vorher fragen ob der andere AIDS hat. Und wenn er AIDS hat, dann passt man eben einfach auf.

Mit ohne Gummi ist Sex auch viel besser, weil man den anderen dann viel besser spürt, hat der Jürgen gesagt. Der Jürgen hat mir das mit dem Bareback nämlich beigebracht. Und der Jürgen hat nämlich auch gesagt, dass er gar kein AIDS hat und, dass ich ihm vertrauen kann, weil er mich nämlich nicht anlügen würde.

Alles Liebe

SVEN

Samstag, Juli 30, 2005

Kindergarten

Eigentlich sollte das hier eine Schwulen-Diskothek sein, aber es sieht verdammt nach einem Kindergarten aus. Mit meinen 28 Jahren scheine ich den Altersdurchschnitt schon zu heben.

Ich stelle mich an die Bar und versuche dem Barkeeper zu erklären, daß ein Pils kalt sein muß, und frisch gezapft. Was ich bekomme ist eine körperwarme gelbe Plörre ohne Schaum. Der Typ hinter der Theke erklärt mir, daß das daran liegt, daß hier so wenig Leute Bier vom Faß trinken.

Ich schaue in Menge und ich komme mir sehr verloren vor. Langsam habe ich Bedenken, ob ich hier wirklich hin gehöre. Bin ich wirklich schwul? Ich gehe mal im Kopf die Kennzeichen der anderen Gäste durch.

Mein Haar ist wuschelig und halblang. Außerdem bin ich nicht blondiert. An mir ist noch kein Friseur reich geworden. Die ganzen Jungtunten haben sich eine Art Frontspoiler gestylt.

In meinem Bad steht kein einziges Töpfchen Schminke. Verkauft man Schminke eigentlich in Töpfchen oder in Tuben? Wird dieses braune Zeug so wie die Karnevalsschminke in kleinen Schälchen angeboten? Ich beschließe demnächst einmal in einem Douglas zu gehen und nachzufragen.

Meine Augenbrauen sind weder bemalt noch gezupft. Unwillkürlich besabber ich meinen Finger und versuche die Haare über meinen Augen ein bißchen in Form zu drücken. Ich staune, daß alle Augenbrauen fast gleich aussehen. Millimeter dünne Striche über den Augen, die alle einen bösen Ausdruck haben. Ist die Form Pflicht, oder lassen die sich alle von der selben besten Freundin die Augenbrauen zupfen?

Ich gucke an den kleinen Tunten weiter runter. Auf meinem T-Shirt steht nicht D&G, es hat Ärmel und bedeckt den Bauch. Übrigens habe ich ein bißchen Bauch und sehe nicht aus, wie die Kinder auf den Plakaten von „Brot für die Welt“.

Um mich ein wenig unter die Leute zu mischen, versuche ich mit meinen Nachbarn ein Gespräch anzufangen, daß aber schon nach zwei Minuten wieder endet. Er kennt leider keine einzige Rockband, war noch nie wählen und Fußball guckt er auch nicht. „Tunten gucken nun mal kein Fußball.“ sagt er.

Ich trinke das körperwarme Bier aus und verlasse diesen Laden. Draußen auf der Straße frage ich mich, ob ich wirklich schwul bin. Ich benehme mich einfach nicht so, wie es sich für einen Schwulen gehört.

Ich komme an der Bushaltestelle an und drehe mir eine Zigarette. Ich beschließe, daß ich wohl doch heterosexuell sein muss. Da kommt ein Kerl um die Ecke, genau vor meiner Nase fällt ihm sein Feuerzeug runter, er bückt sich, und ich merke erleichtert, daß ich doch schwul bin.


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Donnerstag, Juli 28, 2005

Damenwahl

„Schaaatziiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!“ quiekt neben mir eine schrille Frauenstimme. Die kleine stämmige Person wirft ihre fetten Ärmchen in die Luft und sich um den Hals einer blondierten Schwulette. Dieses quiekende mopsige Etwas ist, wie ich bald feststelle, die beste Freundin der Wasserstoff-Schwuppe.

So wie der Hund der beste Freund des Mannes ist, so ist der Homo der beste Freund der Frau. Ähnlich wie früher die Eunuchen, die aufgrund der fehlenden Ausstattung der Frau nicht gefährlich wurden, hält sich die Dame von Welt heute eine oder mehrere Schwuchteln.

Um kleine rundliche Person neben mir hüpfen zwei dieser Haustunten herum. Sie erzählen, kreischen und jaulen von ihren Liebschaften, lästern, tuscheln und servieren Prosecco. Die kleine fette Person mit dem Hamstergesicht läßt sich das offensichtlich gerne gefallen.

Laut einer ungeschriebenen Regel müssen beste Freundinnen Übergewicht, einen schlechten Geschmack und für alles Verständnis haben. Auch sollten solche beste Freundinnen immer aussehen, als hätten sie sich beim Maler und Lackierer schminken lassen.

Beste Freundin zu sein ist aber mehr als nur Sekt trinken, fett sein und mitquieken. Die beste Freundin ist das Serviceunternehmen für die Tunte von heute. Sie trocknet Tränen, spricht Mut zu und gibt Schminktips.

Die beste Freundin ist zudem ein kleines fleischiges Informationszentrum. Alle Neuigkeiten aus der Szene kann sie jederzeit zu einem sehr umfangreichen Report zusammenfassen. Wer ist besonders modisch an? Wer hat was peinliches gemacht? Und vor allem, wer machte was mit wem und womit? Die beste Freundin ist die Stasi des Schwulen.

Nicht zu unterschätzen ist die Rolle der beste Freundin bei der Partnerwahl des Homos. Sie kuppelte, managt und überwacht. Der Weg zum Herz einer Tunte führt immer über die Lästerzunge sein dicklichen kleinen Freundin.

Im Gegenzug darf die beste Freundin unter ihren Schwulen Freunden vergessen wie fett und häßlich sie ist. Schwule achten bei Frauen naturgemäß nicht so sehr aufs Aussehen. Die inneren Werte zählen.

„Schaaatziiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!“ quiekt es jetzt wieder von der anderen Seite des Raums. Ich winke und freue mich. Meine beste Freundin ist da!

Dienstag, Juli 26, 2005

Wie man richtig chattet

Nachdem wir uns in Lektion eins mit dem Erstellen eines sogenannten „Profils“ beschäftigt haben, können wir uns nun mit der Kommunikation im Internet, dem sogenannten „Chatten“, auseinandersetzen.

Gerade unter homosexuellen Internetnutzern hat sich hier eine erfreuliche Gradlinigkeit und Ehrlichkeit entwickelt. Besonders die oberflächliche Angewohnheit aus falsch verstandenem Anstand anfangs um das eigentliche Thema herum zu reden oder nichtige Floskeln abzuspulen ist hier verpönt. Lediglich die anfängliche Frage nach dem Wohlbefinden ist angemessen. Sprechen Sie also ein noch unbekanntes Gegenüber an, so leiten Sie das Gespräch mit „Hi, wie geht‘s?“ ein.

Direkter und ehrlicher ist aber eine andere Grußformel, die sich in letzter Zeit eingebürgert hat: „Was suchst Du?“ Hier geben Sie auf diskrete und charmante Weise der Hoffnung Ausdruck, daß der andere auch den Wunsch nach Geschlechtsverkehr sucht.

Diese Formel ist allgemein üblich, auch wenn ihr Gesprächspartner deutlich in seinem Profil anzeigt, daß er auf der Suche nach einer Möglichkeit zur Kopulation ist. Als echter Gentleman überlassen sie ihm den ersten Schritt das Thema anzuschneiden. Als einzig richtige Antwort gilt entweder ein ablehnendes „Nichts“ oder, als Zeichen der Zustimmung „Fun“, „Spaß“ oder als Variation „Fun und Spaß“.

Entgegen des allgemeinen Mißmutes und überkritischen Einstellung vieler Mitmenschen wird hier auch nicht mit Lob gespart. Schreiben sie möglichst schnell ein möglichst übertriebenes Lob. So etwa „Siehst total geil aus!“ Je übertriebener und unrealistischer das Lob ist, um so besser ist es.

Unerläßlich zur Kommunikation ist eine Reihe von Abkürzungen, die normalerweise zwischen Sternchen gestellt werden, wie etwas „*fg*“ für „frech Grinsen“. Packen sie hinter jede noch so eindeutig zweideutige Äußerung ein solches Kürzel um sicherzustellen, daß der Chatpartner auch wirklich mit der Nase darauf gestoßen wird. Alternativ eignet sich auch ein „;-)“, die getippte Variante eines anzüglichen bis jovialen Zwinkerns.

Das Zeichen „*lol*“ steht für „Laughing out loud“ (laut lachen) und funktioniert wie das eingeblendete Lachen in Fernsehserien. Nach jedem Witz muss unbedingt das *lol* stehen, damit man ihn als solchen erkennen kann.

Halten Sie aus Höflichkeit allgemein das Niveau flach. Niemand wird erwarten in einem schwulen Chat über Themen von allgemeinem Interesse oder besonderer Wichtigkeit sprechen zu müssen. Den Gesprächspartner unvermittelt mit solchem Gesprächsstoff zu konfrontieren zeugt von Taktlosigkeit und mangelnder Rücksicht. Ersparen Sie es ihrem Gegenüber sich bloßzustellen.

Deshalb hat sich als einzig zulässiges Thema der bereits erwähnte Geschlechtsverkehr eingebürgert. Damit kennt sich jeder Homosexuelle ausreichend aus. Seien sie dabei nicht zimperlich. Mißverständnisse während eines anschließenden Treffens zum Geschlechtsverkehr können ausgeschlossen werden, wenn dieser bereits im Vorfeld in allen Einzelheiten besprochen und geplant wurde. Nur fahrlässige und unvernünftige Menschen lassen sich hier überraschen.

Nachdem wir nun die Grundzüge eines gepflegten Gespräches im Internet gelernt haben, wenden wir uns in der nächsten Lektion dem sog. „Date“, dem persönlichen Treffen, zu. Dabei lernen wir, wie man sich in kürzester Zeit entkleidet und jeden Anstand fallen läßt.

Montag, Juli 25, 2005

Aus dem Tagebuch von Sven (18, schwul und ledig):

„Neulich war ich in Köln. Da zieht man sich so verrückte Sachen an, am besten ganz wenige, und demonstriert dann für Toleranz und so. Das nennt man dann CSD. Das ist dann total cool. Da stehen dann ganz viele Leute an der Straße und winken einem zu, wenn man da so mit Technomusik demonstriert.

Da haben auch ganz viele Opas gestanden und mich angeglotzt. Opas sind Leute die älter wie 27 Jahre sind. Die Opas finde ich voll ekelig. Wenn man so alt ist, dann sollte man doch nicht mehr aus gehen, weil man so häßlich ist. Die Opas sollen uns nicht den Spaß verderben, wenn wir Toleranz demonstrieren und am besten gar nicht kommen. Und mich angucken sollen die schon gar nicht.

Und total viele Dicke waren da. Dicke finde ich auch doof. Man muss doch ein bißchen aufpassen wie man aussieht. Vier mal in der Woche kann doch jeder ins Fitneßstudio gehen. Wenn man dick ist, dann sollte man auch nicht mitmachen dürfen, wenn wir für Toleranz demonstrieren.

Ich habe da mit meiner besten Freundin Diana auf so einem total coolen Wagen gestanden und getanzt beim demonstrieren. Da ist so ein Opa gekommen und hat mich total vollgelabert. Der hat gefragt, ob ich wüßte was die Geschichte von dem CSD ist. Und dann hat der angefangen mir die zu erzählen. Und dann habe ich gesagt, daß er abhauen soll und mir nicht so einen Mist erzählen. Weiß doch jeder, daß der CSD die Loveparade für Schwule und so ist.

Am abend haben wir dann noch total viel Party für Toleranz und so gemacht. Ich habe dann ganz viel getrunken und ne Pille geschmissen und getanzt und so was. Und dann habe ich noch mit einem gefickt, auch für Toleranz und so. Und am Ende haben Diana und ich vor den Kölner Hauptbahnhof gekotzt. Auch für Toleranz und so.

Das war total klasse. Nächstes Jahr fahren wir wieder hin.

Sonntag, Juli 24, 2005

Wie man ein Profil schreibt

Herzlichen Glückwunsch zu ihrer Entscheidung, sich in einem schwulen Chat ein Profil zuzulegen. Damit sind Sie vollwertiges Mitglied der modernen schwulen Szene geworden. Um Ihnen zu ermöglichen sich erfolgreich in die schwule Gesellschaft im weltweiten Rechnernetz einzugliedern geben wir Ihnen folgende Handreichungen mit auf den Weg.

Ihre erste Aufgabe auf dem Weg in die schwule Internetgemeinde besteht darin, sich ein Profil anzulegen. Grundlegende Fehler die bei Neulingen immer wieder zu beobachten sind, bestehen in dem irrigen Bestreben Witz, Intelligenz oder gar Einfallsreichtum zu beweisen.

Doch Sie, als erfolgreicher junger Chatter, lassen sich nicht von solch irrigen Wünschen leiten. Sie wissen, daß der Weg zum Erfolg über eine möglichst simpel strukturierte Selbstdarstellung führt. Deshalb vermeiden Sie bereits in Ihrem Profil alle Fremdworte und Fachtermini. Wenn Sie solche verwenden, dann achten Sie wenigstens darauf, sie in falschen Zusammenhang zu stellen oder sie unrichtig zu schreiben.

Generell sollten Sie auf eine angemessen fehlerhafte Rechtschreibung achten. Kommen Sie nie in die Versuchung, ihren Text zuvor mittels Word oder eines anderen Programmes mit Korrekturfunktion zu tippen. Sollte es Ihnen schwer fallen sich der üblich schlechten Rechtschreibung zu bedienen, so lassen Sie sich von einem Legastheniker, Sonderschüler oder einem Kind helfen.

Wie jede soziale Gruppe, so hat auch der im Internet vertretene Homosexuelle seine speziellen Begriffe, Redewendungen und rhetorischen Mittel, die seine Gruppenzugehörigkeit signalisieren. Von diesen sollten sie ausgiebig Gebrauch machen. Für den Anfänger genügen dabei Wendungen wie "ich beiße nicht", "ich mag Spaß und Fun" oder "ich suche nichts, habe ja auch nichts verloren". Sollten Sie dennoch Hemmungen haben sich solcher Platitüden zu bedienen, so greifen Sie zu dem üblichen Kniff, sich über diese zu echauffieren.

Lösen Sie sich schon im Vorfeld von aller falschen Bescheidenheit. Übertreiben Sie bei Ihrer Selbstbeschreibung großzügig. Gerade hier haben sich in der Welt der Chatter besondere Benimmregeln entwickelt. Grundsatz ist, dass die benutzten Adjektive regelmäßig diametral ihren tatsächlichen Eigenschaften gegenüberstehen sollten. Beispielsweise wird ab einem Alter über 30 die Bezeichnung "Boy" zur Pflicht. Haben Sie schon das vierzigste Lebensjahr hinter sich, so behaupten sie "jünger aussehend" oder "jung geblieben" zu sein. Auch ist es für verschlafene Zeitgenossen ganz unerläßlich sich selbst als "pfiffig" zu bezeichnen, ungnädige Menschen sollten sich "offen" oder "tolerant" schimpfen.

Dabei sollten Sie jedoch darauf achten, sich lediglich "tolerant" zu nennen, es aber in keinem Falle zu sein. Artikulieren Sie in Ihrem Profil eine ausreichende Menge an Antipathien, die sich ebenfalls wieder entgegengesetzt zu Ihren eigenen Eigenschaften verhalten sollten. Verwehren Sie sich ruhig gegen die Kontaktaufnahme "Dicker", "Opas" oder "Tunten", auch wenn Sie selbst übergewichtig, im fortgeschrittenen Alter oder etwas fraulich sind.

Goldene Regel sollte Ihnen "weniger ist mehr" sein. Die Arbeit und Mühe die ein Profil darstellt können Sie leicht vermeiden, wenn sie einfach schreiben: "Wenn Fragen, dann fragen" respektive "Frag mich einfach". So zeigen Sie ein zugängliches und offenes Wesen, bleiben aber zugleich geheimnisvoll und interessant.

Zuletzt möchten wir unser Augenmerk auf die richtige Auswahl der gezeigten Bilder richten. Unsicheren Menschen wird hier regelmäßig zum einfachen Ablichten ihrer Genitalien geraten. Doch auch hier gelten grundlegende Verhaltensregeln, die nicht mißachtet werden sollten. Leihen sie sich für das Bild eine recht alte Digitalkamera, wenn möglich aus der ersten Generation dieser Geräte. Schalten sie vor dem fotografieren alle unnötigen Lichtquellen aus und sorgen Sie so für eine angemessen schlechte Beleuchtung. Jetzt sollten sie sich entkleiden. Nur wenn sie besonders abgetragene oder ungepflegte Stücke Leibwäsche besitzen sollten sie eines auftragen. Unterhemden aus verwaschenem Feinripp lassen dabei überzählige Pfunde besonders schön zur Geltung kommen.

Bevor sie nun aber zur Tat schreiten trinken Sie fünf Tassen sehr starken Kaffee. Damit stellen sie sicher, dass die Bilder, wie allgemein üblich, stark verwackelt sind. So Sie stolzer Besitzer einer besonders abschreckenden Wohnungseinrichtung sind, sollten Sie die Bilder mittels eines Spiegels aufnehmen. Stellen Sie sich vor den Spiegel und richten Sie die Kamera darauf. Behalten Sie jedoch im Auge, dass zwar ihre Schrankwand im Hintergrund sichtbar bleiben sollte, Ihr Kopf jedoch für den Betrachter durch die Kamera verdeckt bleiben muss. Ziehen Sie in keinem Fall für das Erstellen des Lichtbildes die Socken aus.

Hier ist auch der Ort eine Vorliebe zu abartigen Sexualpraktiken darzustellen. Führen Sie sich ungeniert Gegenstände in den Anus ein, fesseln Sie sich laienhaft oder tragen Sie Kleidung aus Leder, Latex o.ä. Der Besucher Ihres Profil wird sich besonders über die Überraschung freuen, wenn ihm ohne Vorwarnung ihr Enddarm, Körpersekrete, die orale Aufnahme von Fäkalien oder ihr Glied gezeigt werden. Über Geschmack läßt sich zwar vortrefflich streiten, ihn zu zeigen ist jedoch ein unverzeihlicher Fauxpas.

Nun sind Sie in der Lage ohne weitere fremde Hilfe ein schönes Profil zu erstellen. Wenn, wie üblich neue Moden aufkommen, so zögern Sie nicht sich unverzüglich diesen anzupassen. Individualität ist fehl am Platze. Entdecken sie auf der Suche nach dem nächsten Sexualpartner besonders häufig benutze Redewendungen oder Zitate, so fügen Sie diese ergänzend in Ihr Profil ein. Bleiben Sie sich stets auf dem Laufenden und passen Sie sich dem jeweils niedrigsten Niveau an.

In der nächsten Lektion vermitteln wir Ihnen Methoden und Wege sich in der virtuellen Unterhaltung, ungeachtet aller Etikette oder guten Sitten des gewöhnlichen Bürgers, nach denen im Internet verlangten Regeln zu verhalten.

Olli und die leichten Zigaretten

Olli ist ein Kommilitone und eigentlich ein netter Kerl, aber manchmal leider ein wenig beschränkt. Neulich saßen wir in der Mensa und sprachen über die Semesterferien. Dabei erwähnte ich meinen Exfreund und Olli entgleisten die Gesichtszüge. "Du hast >Exfreundin< gemeint, oder?" sagte Olli und schaute dabei fast ein wenig flehend. "Nö," sagte ich und fischte die eßbaren Anteile aus dem Salatteller.

Olli stellte jetzt die dämlichste Frage die möglich war. "Bist du schwul, oder was?" Ich grinste. Olli kann so wunderbar behämmert sein. "Anscheinend." antwortete ich. "Ja, und du gehst damit so ganz offen um, oder?" fragte Olli. Anscheinend hatte Olli beschlossen mit mir eine Runde Jeopardy spielen, weil er für jede meiner Aussagen eine passende Frage stellte. Ich stocherte mit der Gabel in der breiigen Masse, die hier als „Salzkartoffeln“ angepriesen wurden und murmelte: "Sieht so aus oder?"

Ich hatte eigentlich geplant nur eben kurz etwas zu essen, um dann in der nächsten Vorlesung einen kleinen Verdauungsschlaf zu gönnen. Aber offensichtlich wurde das hier zur Fragerunde. Denn Olli hatte die Reste seines "Schnitzel Wiener Art mit Pommes und Rahmsauce" bei Seite geschoben und legte jetzt richtig los.

"Und seit wann weißt Du, daß Du schwul bist?" hakte Olli nach. Noch bevor ich mich richtig über diese saudumme Frage ärgern konnte, durchzuckte mich eine Idee. Ich legte mir einen unheimlich freundlichen Gesichtsausdruck zu und sagte: "Nun, ja. So eines Morgens vor dem Spiegel."

Olli stutzte und lies den Unterkiefer auf den Brustkasten fallen. "Vor dem Spiegel?" echote er. "Ja", fuhr ich im schönsten Plauderton fort, "als ich mich morgens rasieren wollte, da stellte ich fest, daß ich so schwul aussehe. Und habe ich gedacht: 'Mensch anscheinend bist Du schwul' und habe mich sofort von meiner Freundin getrennt." Olli wurde offensichtlich leicht unruhig. Er rutschte auf dem Stuhl herum und fragte: "Ja, und vorher hast Du gar nichts davon geahnt?"

Langsam fing die Sache an mir Spaß zu machen. Also fuhr ich fort: "Nein, kein Stück. Das kam total überraschend von heute auf morgen. Plötzlich wollte ich nix mehr von meiner Ex und träumte Jede Nacht von Analverkehr." Mit zittrigen Händen zündete sich der Kommilitone eine Zigarette an. Er stotterte: "Ja, und hat sich dann irgendwas verändert?"

Mein Blick fiel auf seine Kappe mit dem "Motörhead"-Aufdruck und ich hatte eine großartige Idee. "Och, weißt Du," schnatterte ich ganz vertraulich, "vorher habe ich ja hauptsächlich Rock und Metall gehört, aber plötzlich hatte ich nur noch Lust auf ABBA und die Village People. Ich habe dann auch sofort aufgehört Fußball zu spielen und meinen Motorradführerschein habe ich dann auch nicht mehr zu Ende gemacht, weil Motorrad fahren nur Lesben."

Ich hatte Olli an einem wunden Punkt erwischt. Ich wußte ganz genau, daß seine Freundin Motorrad fährt. Olli hatte so einen seltsamen Blick drauf. Der Gesichtsausdruck hatte irgendwie was blödes aber mitleiderregendes. Olli setzte leicht stotternd zu einer besonders doofen Frage an: "Aber gibt es denn nicht auch normale Frauen die Motorrad fahren?" Ich hatte schwere Probleme nicht zu lachen und schaffte es nur unter höchster Anstrengung anscheinend ganz beiläufig zu sagen: "Och, also ich kenne keine."

Olli versuchte jetzt wohl schnell vom Thema "sexuelle Orientierung und ihr Bezug zur Wahl des Transportmittels" wegzukommen und fragte: "Ja, was hat sich denn noch so geändert?" Mit einem gelangweilten Blick plauderte ich weiter aus dem Nähkästchen: "Ach, also plötzlich wurden mir die filterlosen Zigaretten zu stark. Ich bin dann auf Light umgestiegen." Dabei fiel Olli fast die Malboro Gold aus der Hand.

Aschfahl und am ganzen Körper zitternd stand Olli auf und stammelte, daß er noch dringend in die Bibliothek müsse. Dann verließ er die Mensa sehr schnell.

Gestern habe ich Ollis Mitbewohner getroffen. Der hat mir erzählt, daß Olli sich in letzter Zeit sehr seltsam benehme. Er rauche neuerdings Roth-Händle ohne Filter, wolle einen Motorradführerschein machen und morgens stünde er eine halbe Stunde im Bad und schaue sehr angestrengt in den Spiegel. Irgendwie tut mir Olli ja fast ein wenig leid.

Wie man London überlebt.

Fahnder in Zivil haben am Freitag den 27-jährigen Elektriker Jean Charles de Menezes aus Brasilien in der Londoner U-Bahn-Station Stockwell vor den Augen zahlreicher Fahrgäste aus nächster Nähe mit fünf Kopfschüssen niedergestreckt. Menezes habe sich, so die Polizei, "auffällig verhalten". Er war gerannt, um seine Bahn noch zu erreichen.

Sie sollten also vorsichtig sein, wenn sie nach England reisen. Nicht nur, dass durchgeknallte islamische Fundamentalisten Sie in die Luft jagen könnten, nein auch die Polizei könnte Sie erschießen, wenn Sie sich "auffällig" benehmen. Sie sollten auf keinen Fall rennen. Gehen sie ruhig, aber nicht zu langsam. Machen Sie keine hektischen Bewegungen. Fummeln sie nicht an ihrer Kleidung herum. Man konnte ja vermuten, dass sie einen versteckten Zünder aktivieren wollen. Halten sie also die Arme vom Körper weg. Am besten strecken Sie sie nach oben, zur Seite oder verschränken sie die Hände hinterm Kopf.

Von Rucksäcken oder Taschen ist ganz abzuraten. In einem Rucksack oder Beutel kann alles mögliche sein. Auch gefütterte Jacken können einen Sprengstoffgürtel verdecken. Verzichten sie also auf alle unnötige Kleidung. Bedenkenlos getragen werden kann eine einfach Unterhose.

Damen mit üppiger Oberweite sollten aber auch auf einen Büstenhalter tunlichst verzichten. Schließlich bleibt dem eifrigen Beamten in seiner Not nicht die Zeit zu überlegen, ob da nun nur C4 oder doch nur Silikon verarbeitet wurde. Im Notfall wird er, in verständlicher Sorge um das Wohl der Allgemeinheit, sie mit einem Kopfschuss vorsorglich hinrichten, damit sie mit ihren „Bomben“ kein Unheil anrichten.

Gleiches gilt für gut ausgestattete Männer. In Anwesenheit der wie ob beschrieben vorsorglich unbekleideten Damen oder der nur spärlich bekleideten Herren könnte der Verdacht aufkommen, unter ihrer Unterhose befände sich eine Faustfeuerwaffe.

Um den Verdacht zu vermeiden, daß unter ihrer Haarpracht etwas verborgen sein könnte raten Sicherheitsexperten zu einem sehr kurzen Haarschnitt. Diese verhindert auch vorsorglich, daß man ihnen irgendwelche Sympathien mit verdächtigen Arabern unterstellt.

Wenn sie von einem Ordnungshüter angesprochen werden, vermeiden sie unbedingt den Eindruck fliehen zu wollen. Bleiben sie auf der Stelle stehen und werfen Sie sich auf den Boden, Gesicht nach unten und strecken Sie die Arme von Körper weg. Als Hinweis für die eifrigen Ordnungshüter sollten sie sich den Union Jack und ein großes "Pakis out" auf den Rücken tätowieren lassen. Alternativ raten Kenner des Landes zu dem Logo von "Combat 88" oder den Absingen von Liedern der Band "Screwdriver". Der Polizist wird so leichter erkennen, dass sie ideologisch mit ihm auf einer Linie sind.

Wenn Sie sich an diese einfach Hinweise halten, so können sie voraussichtlich einen schönen Urlaub in London verbringen und eventuell sogar überleben.

Wie alles begann. Oder: Zweites Mal.

Irgendwann habe ich mich mal entschlossen, dass ich einen Blog bräuchte. Also habe ich mir eine Blog erstellt und zwei Einträge hineingestellt. Zeit verging und ich habe mein Passwort vergessen. "Poste doch mal wieder was!" sagte man mir. Nur, ich war zu dämlich um mich wieder anzumelden. Noch mehr Zeit verging und ich sah nur noch einen einzigen Ausweg: Einen neuen Blog. Hier ist er. Und hier ist der erste Eintrag den ich damals machte:

Mein erstes Mal.

Irgendwann hat man immer ein "erstes mal". Nicht nur 14jährige Kinder aus der Bravo haben ein erstes mal. Auch in meinem Alter (28) kann man noch eines haben: Ein ersten mal bloggen.

Ich bin auch schon ganz aufgeregt. Nur im Gegensatz zu den hormonverseuchten Kindern aus der Bravo muss ich weder betrunken sein, noch hinterher die Schweinerei weg wischen oder Alimente zahlen.

Es ist also ein rundum schönes erstes mal und auch noch eines ohne jede Ansteckungsgefahr. Ausserdem brauche ich auch niemand anderes dafür. Ich muss niemanden aus dem Haus schmuggeln, ich muss nicht aufpassen nicht zu laut dabei zu sein und mit niemanden anschließend Schluss machen. Nichtmal der größte Moralapostel kann mir vorschreiben dieses erste mal erst nach kirchlichem Segen zu haben.

Schön, so ein erstes Mal. Und nach so einem ersten mal kommen, wie bei dem anderen ersten mal auch, viele "weitere mal". Es ist nicht mehr so aufregend, nicht so spannend, aber man bekommt mehr Erfahrung und kann dem anderen Menschen viel mehr Vergnügen bereiten.

So, nun bin ich müde und schlafe gleich ein, nach meinem ersten mal. Eigentlich kuschele ich ja nach jedem mal ganz gerne. Aber im Moment ist niemand zum kuscheln da. Naja, eventuell beim zweiten mal.



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